Demitz-Thumitz in seiner Entstehung

Die ersten Bewohner in der Umgebung von Demitz-Thumitz siedelten sich bereits in der Bronzezeit an.

Demitz und Thumitz entwickelten sich als einzelne Orte und beide Ortsnamen sind slawischen Ursprungs. Die Milzener als Vorfahren der Sorben bewohnten das Gebiet bis Ende des 10. Jahrhunderts.

Demitz entwickelte sich entlang des Schwarzwasserlaufes als typisches Waldhufendorf.

Die ersten Rittergüter entstanden Anfang des 16. Jahrhunderts. Demitz kam 1413 unter die Herrschaft des Klosters St. Marienstern im heutigen Panschwitz-Kuckau.

 

Mit dem Bau der schlesischen Eisenbahn von Dresden nach Görlitz entwickelte sich der Granitabbau und die Granitverarbeitung zu einem bedeutenden Industriezweig.

Im Jahr 1898 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Demitz und Thumitz zusammen.

Feldspat, Quarz und Glimmer.....

„Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess‘ ich nimmer" reimte einst ein Schulmeister, damit sich seine Schüler die Bestandteile des Tiefengesteins leichter einprägten. Granit war ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Baustoff geworden, nach dem die Nachfrage ständig stieg. Der Hochbau benötigte Mauersteine, Fenster- und Türgewände, Stufen und Podeste, der Straßenbau Plafstersteine und Borde und die Eisenbahn Schotter und Steine für Brückenbauten.
Granit bedeckt allein in der Lausitz eine Fläche von 4600 km². Das ist der Grund dafür, dass zwischen Kamenz und den Königshainer Bergen unzählige Brüche entstanden. Das Gebiet um den Klosterberg zwischen Demitz-Thumitz und Schmölln entwickelte sich schnell zum bedeutendsten und größten Abbaugebiet in Sachsen. Die stetig steigende Nachfrage nach Graniterzeugnissen führte zur Erschließung vieler Brüche. Diese wiederum zogen Arbeitskräfte an, die sich in den Dörfern rund um den Klosterberg ansiedelten. In den einhundert Jahren zwischen 1850 und 1950 stieg die Einwohnerzahl von Demitz-Thumitz auf nahezu das Zehnfache.

Die Geschichte der Granitgewinnung beginnt in Demitz-Thumitz mit dem Bau der 240 Meter langen Eisenbahnbrücke über das sumpfige Schwarzwasser 1845/46. Um Transportkosten zu sparen, griff man auf das einheimische Material zurück. Größere Brücken waren bisher immer aus Sandstein errichtet worden. Der Granit vom Klosterberg ließ sich relativ leicht spalten und zu Bausteinen verarbeiten. 1848 fand sich der erste Unternehmer, der Schifffahrtskaufmann C. Sparmann aus Dresden, der in der Lausitz Brüche anlegen ließ. 1878 folgte der Dresdener Baumeister C. G. Kunath, der Brüche im Bautzener und Demitzer Gebiet pachtete. 1888 übernahmen der Dresdener Unternehmer Bruno Hietzig und der Bankfachmann Paul Jahn die Brüche von Kunath, beließen aber dessen Namen in der Firmenbezeichnung. Die neuen Betreiber erkannten schnell, dass sich ohne gravierende technische Neuerungen die Produktion nicht steigern ließ. Sie führten die Dampfkraft ein, mit deren Hilfe zwei Brecherwerke betrieben wurden. Mit Lokomobilen und Seilen wurde der Rohstein auf Feldbahngleisen aus den immer tiefer werdenden Brüchen gezogen, auf Gleisen erfolgte auch der weitere innerbetriebliche Transport. 1899 entdeckte Bruno Hietzig während einer Studienreise nach Schottland Kabelkrananlagen, mit deren Hilfe Holz von Schiffen zum Land transportiert wurde. Daraus leitete er die Idee für die Granitförderung aus tieferen Steinbrüchen ab. 1901 ging die erste deutsche Kabelkrananlage in einem Steinbruch, sie war 280 Meter lang und konnte 5t heben, in Betrieb. Sie war elektrisch angetrieben, denn ein betriebseigenes Kraftwerk war inzwischen auch entstanden. Weitere 34 dieser Anlagen überspannten in den nächsten Jahren die Brüche, ihre Tragfähigkeit wurde bis auf 16t erhöht. Die Idee, Kabelkrananlagen einzusetzen, verbreitete sich schnell in den Steinbrüchen ganz Deutschlands. In den Steinbrüchen auf der Insel Bornholm (Dänemark) entdeckte Hietzig Fallhämmer, mit denen grob gespaltene Granitsteine zu Pflastersteinen verarbeitet wurden. Er kaufte einige dieser Maschinen, die sich auch im Lausiter Granit bewährten. Bald arbeiteten etwa 150 mechanische Spaltmaschinen bei vielen Firmen am Klosterberg und in weiteren Lausitzer Brüchen. Damit war man bestens vorbereitet auf die plötzlich einsetzende Nachfrage nach Straßenpflaster. Straßen mit einer geschlossenen Decke hatte es vor 1900 kaum gegeben, jetzt aber wurde, und das nicht nur innerorts, sondern auch auf Fernstraßen, die Fahrbahn gepflastert. (Allein für die Pflasterung der Reichsstraße 6 von Dresden nach Görlitz wurden 72 Millionen Kleinpflastersteine gebraucht.)
Ab 1926 wurden die Brüche und die Arbeitsstellen der Steinmetzen über ein weit verzweigtes und kompliziertes Leistungsnetz mit Druckluft versorgt. Das erleichterte die Herstellung von Sprenglöchern in der Gewinnung, das Spalten bei der Weiterverarbeitung und auch die Oberflächenbearbeitung durch den Steinmetzen.


Die Bearbeitung von Granit erforderte handwerkliches Können, setzte aber auch Wissen voraus. Aus dem zweiten am Klosterberg ansässigen Unternehmen, der Firma Carl Sparmann, ging 1892 die Idee hervor, Weiterbildungen in einer „Sonntagsschule" durchzuführen. 1908 bekam diese Schule, nun auch von der Firma C. G. Kunath und der Gemeinde Demitz-Thumitz unterstützt, ein eigenes Lehrgebäude und wurde zur Fachschule für Steinmetzlehrlinge. Die Schule besteht heute noch als „Sächsische Steinmetzschule Demitz-Thumitz", die Lehrlinge und Meister vorwiegend für die Bundesländer Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt ausbildet.

1937 wurden erstmals Steinsägegatter und Kreissägen eingesetzt. Bodenplatten, Stufen und Borde konnten nun sehr schnell, preiswert und vor allem ohne großen Abfall hergestellt werden. Auch diese Technologie wurde gern von anderen Betrieben übernommen, denn inzwischen hatte der Autobahnbau gewaltige Aufträge an die Granitindustrie ausgelöst. Man kann annehmen, dass die Steinbrüche am Klosterberg in diesen Jahren etwa 3600 Beschäftigte hatten.
In den letzten Kriegsjahren verlor die Steinindustrie an Bedeutung, Aufträge fehlten und ein großer Teil der Belegschaft wurde zum Militär eingezogen. Viele von ihnen wurden Opfer dieses Krieges. Das Denkmal am Wege zum Klosterberg nennt ihre Namen.
Nach Kriegsende gehörten die Sächsische Granit-AG und die Firma Sparmann & Co zu den Betrieben, die als sowjetische Reparationsforderungen fast völlig demontiert wurden. Hoffnung, Mut und Arbeitswille ehemaliger Betriebangehöriger führte schnell zu einem Neubeginn. Am 30.06.1947 hob ein Drehkran, aus Einzelteilen zusammengesetzt, den ersten Stein aus dem Bruch Thumitz. 1948 waren die Druckluftanlagen wieder einsatzbereit und am Heiligen Abend im gleichen Jahr lief der zweite Kabelkran erfolgreich zur Probe.
Für ein zerstörtes Land wurde die Herstellung von Baumaterial lebenswichtig. Aber der Bedarf war größer als die Liefermöglichkeiten. Um dieses Problem zu lösen, wurde 1961 in Demitz-Thumitz die Erzeugnisgruppen-Forschungsstelle „Werksteine, Pflaster und Borde" gegründet. Die Anzahl der Mitarbeiter wuchs von anfänglich zwei auf 33 zur Wendezeit. Das Forschungsprogramm bestand zunächst in der Entwicklung einfacher Steinmetzwerkzeuge auf Stahl- und Hartmetallbasis, erweiterte sich aber im Laufe der Zeit auf Verfahren und Maschinen zur Rohsteingewinnung und -verarbeitung bis hin zu kompletten erzeugnisbezogenen Linien. Als Ergebnis wurde in Demitz-Thumitz eine Anlage zur vollmechanischen Fertigung von jährlich 25.000t Britischen (Granitsteine, aus denen z.B. 16 Kleinpflastersteine 10x10x10cm hergestellt werden können) und eine Anlage zur Herstellung von 20.000m Bordsteinen errichtet. Ein Großteil der nahezu 80 Forschungs- und Entwicklungsarbeiten befasste sich mit der Diamantwerkzeugentwicklung für Naturstein, Beton, Keramik, Feuerfestmaterial und Asphalt. Das rasche Wachstum der Diamantwerkzeugabteilung führte 1985 zur Bildung einer eigenen Abteilung. Ende 1989 wurden durch 38 Mitarbeiter ca 380.000 Karat Diamanten (Karat: 0,2g) zu Diamantwerkzeugen verarbeitet. Allein der Bereich Forschung und Entwicklung und die Abteilung Diamantwerkzeugfertigung erwirtschaftteten im Vorwendejahr Rationalisierungsmittel im Wert von 20 Millionen DDR-Mark.
Der „VEB Lausitzer Granit" bestand vor der Wende aus den Betriebsteilen Demitz-Thumitz, Kamenz und Löbau und hatte insgesamt etwa 1800 Beschäftigte, davon allein in Demitz-Thumitz, die zentrale Verwaltung eingeschlossen, etwa 550. Die Gesamtproduktion des VEB Lausitzer Granit, einschließlich der artfremden Erzeugnisse, betrug immer um 100 Millionen DDR-Mark.
Nach Übernahme des Betriebsteils Demitz-Thumitz durch die Basalt-AG wurde großzügig investiert. Ein neues Splittwerk entstand und für den Werksteinbereich wurden zwei Blocksägen mit Trennscheiben von 3,0 und 3,5 Metern Durchmesser, verschiedene programmierbare Sägen, modernste Schleif- und Poliertechnik sowie Hebe- und Transportmittel bis 25t Tragfähigkeit angeschafft. 2003 wurde die Gewinnung von Rohblöcken für die Werksteinherstellung eingestellt. Granitabbau erfolgt nur noch, um ein großes Brecherwerk zu betreiben.
Im selben Jahr entstand aber auch ein kleinerer Betrieb mit eigener Gewinnung auf dem Geländer der Basalt-AG, in dem Werksteine hergestellt werden. In diesem Betrieb, dem „Lausitzer Granit Thomas Gläser" lebte die Tradition weiter. Auch Lehrlinge werden wieder zu Steinmetzen ausgebildet.
 

von Jörg Nadolny und Dr.-Ing. Dieter Gerlach